Seinerzeit im August 2005 habe ich, eigentlich mehr aus Jux und Dollerei, die XBox 360 bei Amazon vorbestellt und da ich einer der ersten Vorbesteller war, sogar eine abbekommen. Obwohl mich die Konsole im Vorfeld kaum interessiert hat, hat sie sich bis jetzt als wahrer Glücksgriff erwiesen und ist mittlerweile zu einer meiner liebsten Freizeitbeschäftigungen mutiert.

Ein ähnliches Desinteresse habe ich auch gegenüber Nintendos neuer Konsole gezeigt. Zu wenig hat mich das Prinzip einer alternativen Steuerung gereizt, zu veraltet war die verwendete Technik und zu deutlich war noch die Erinnerung an die enttäuschenden Vorgänger N 64 und Gamecube. Kein HDTV, kein DD 5.1 und technische Stats, die nur unwesentlich über dem Cube angesiedelt waren verhießen für mich nichts Gutes. Trotzdem habe ich mich, wohl hauptsächlich weil meine Neugierde nach allem Neuen beinahe unstillbar ist, am 8. Dezember um 8.30 Uhr vor dem örtlichen “Drogeriemarkt Müller” eingefunden, um einen der kaum verfügbaren Wiis zu ergattern. Jetzt steht das gute Stück zusammen mit dem beiliegenden “Wii Sports”, “Zelda” und “Monkey Ball – Banana Blitz” seit einer Woche in meinem Wohnzimmer und es wird Zeit für ein kurzes Zwischenfazit.

“Wii Sports” vermittelt einen guten Eindruck, was mit der neuen Steuerung so alles möglich ist. Statt eines Joypads halte ich eine Art Fernbedienung (Wiimote) in der Hand, mit der ich das Geschehen lenke. So ersetzt die Wiimote beim Bowling die Kugel und ich schwinge vor dem TV in professioneller Manier meinen Arm und versuche die Kugel in die korrekte Richtung anzuschneiden um alle 10 Pins abzuräumen. Erstaunlicherweise klappt das ausnehmend gut und selbst absolut unbedarfte Menschen, wie meine Mutter (die ein Joypad bisher nur in der Hand hatte um es abzustauben), greifen spontan zur Wiimote und sind kaum mehr von der virtuellen Bowlingbahn wegzubringen.

Das wichtigste Spiel zum Start war mich jedoch “Zelda – Twilight Princess”, das sich schnell als absolutes Oldschool-Actionadventure mit Zugeständnissen an die neue Steuerung entpuppt hat, was nicht weiter verwunderlich ist, da es doch hauptsächlich für den Gamecube entwickelt worden ist. So schwinge ich mit meiner rechten Hand das virtuelle Schwert mittels Wiimote, während meine Linke die Spielfigur mit dem Nunchuck-Controller lenkt.

Hatte ich zu Beginn noch Probleme mit der neuen Steuerung, so habe ich mich inzwischen damit angefreundet und freue mich an der gesteigerten Dynamik die insbesondere beim Kampf gegen Endgegner dank Nunchuck und Wiimote aufkommt. Weniger begeistert war ich zu Beginn auch von der Präsentation. Vor allem in den ersten Spielstunden fiel mein Augenmerk auf verwaschene Texturen und blasse Farben. Doch mittlerweile bin ich vom Design positiv angetan. Einige Effekte sind sehr schön und die Inszenierung so mancher Zwischensequenz ist absolut gelungen. Das süchtig machende Spielprinzip der Vorgänger ist auch bei Twilight Princess uneingeschränkt vorhanden.

Ich bin also wieder einmal von einer Konsole positiv überrascht worden. Ob der Wii die von Nintendo gewünschten neuen Käuferschichten erschließen kann, wage ich zu bezweifeln. Zwar zeigt sich so gut wie jeder von der neuen Steuerung begeistert und will nach kurzem zusehen “auch mal ran”, jedoch ist der Preis mit 249 Euro für genau diese Gelegenheitsspieler meiner Meinung nach zu hoch angesiedelt. Das ist aber ebensowenig mein Problem, wie der mangelnde Nachschub an hochkarätiger Software. Über den Absatz der Konsole soll sich Nintendo den Kopf zerbrechen. Ich erwarte nur eine Handvoll interessante Spiele, wie Metroid Prime 3, Mario Galaxy und diverse Umsetzungen weiterer Mariofranchises. Sollte die ein oder andere unerwartete Perle dabei sein, die darüber hinaus noch von der neuen Steuerung inspiriert ist, oder sich der Wii gar zur Nummer 1 Plattform für alternative Software entwickeln, nehme ich das gerne in Kauf.
Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Nintendo schnell RGB- und Komponentenkabel auf den Markt bringt, da das beiliegende Composite doch eher suboptimal für die Bildqualität ist. Auch die momentan sehr rudimentäre Onlineplattform sollte unbedingt noch erweitert werden. XBox live zeigt wie es sein muss. Außerdem spiele ich i.d.R. auch der Couch liegend, was sich bei längeren Spiele-Sessions auf dem Wii als anstrengend erwiesen hat, da die Wiimote je nach Spielsituation in einem bestimmten Winkel zum auf oder unter dem TV platziertem Empfänger gehalten werde sollte.

Nintendo befindet sich aber auf dem richtigen Weg und obwohl die 360 weiterhin mein liebstes Spielzeug bleiben wird, kann ich den Wii jedem Spieler und bis dato Nichtspieler wärmstens empfehlen.