Mit “Koa Hiatamadl” wurde Hubert von Goisern zumindest in den Alpenländern einem größeren Publikum, sowie dem ein oder andern Zuagroasten (zugereisten) und natürlich allen Oktoberfestbesuchern bekannt. Obwohl Hubert dieses Lied heute nicht mehr singt, ist es ein guter Einstieg für einen Text über ihn, gerade weil ihn die meisten fälschlicherweise auf diesen einen Hit reduzieren.

Ich persönlich habe dank ihm meine Liebe zur Volksmusik entdeckt. Jetzt wird der ein oder andere Leser ob dieses Eingeständnisses sicher vom Hocker fallen, allerdings kann ich euch versichern dass die Musik, die von Goisern macht, genau soweit von den Musikantenstadeln und volkstümlichen Hitparaden dieser Welt entfent ist, wie sie es nur irgendwie sein kann. Seine Werke haben mit den “Hits” von Stefanie Hertel, den Kastelruther Spatzen und Co nichts gemein. Hubert geht vielmehr zum Ursprung der Lieder zurück und interpretiert diese auf seine ganz eigene unvergleichliche Weise. Dies mag Traditionalisten verschrecken und den Volksmusikzombies das Gebiss rausfallen lassen, für unbefangene Hörer, die etwas mit deutschem Liedgut anzufangen wissen, ist es ein Hochgenuss.

Konnte man die Lieder zu Beginn seines Schaffens noch am ehesten mit Punk-Rock-Landler garniert mit bissigen und teils sehr treffenden Texten bezeichnen (Aufgeign statt Niderschiaßn, Omunduntn), ist es mittlerweile von Goiserns Interpretation von ursprünglichsten alpinen Volksweisen (Trad1 + 2), die uneingeschränkt zu begeistern weiß. Dass er damit sowohl bei Traditionalisten aneckt, weil er die Werke nicht “richtig” – sprich mehrstimmig – vorträgt, sondern auf seine ganz eigene Weise und ihn die Musikantenstadl-Zielgruppe größtenteils verschmäht, stimmt traurig, da hier eine große Chance liegt ursprüngliches deutsches Liedgut generationen- und länderübergreifend sprichwörtlich unters Volk zu bringen.

So bleiben die Werke von Goiserns weiterhin eher Geheimtipps, die gar nicht oft genug erwähnt werden können. Was hiermit wieder einmal geschehen ist.